25 JAHRE NACH DER MATURA

MATURA 2021: EIN PERSÖNLICHER RÜCKBLICK

Vor 25 Jahren habe ich maturiert.

Ein Vierteljahrhundert. Das klingt nach einer Ewigkeit – und gleichzeitig fühlt es sich an, als wäre es gestern gewesen.

 

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir meine eher ungewöhnliche Fächerkombination. Schriftlich trat ich in Deutsch, Englisch, Mathematik und Latein an. Mündlich folgten Latein, Bildnerisches Gestalten und Chemie.

Vermutlich war diese Zusammenstellung schon damals ein Hinweis darauf, dass ich mich nie so recht zwischen zwei Welten entscheiden konnte. Auf der einen Seite die Kreativität, die Sprache, die Kunst. Auf der anderen Seite die Naturwissenschaften, das Analysieren, das Verstehen von Zusammenhängen.


Die mündliche Prüfung war ein ganz besonderes Ereignis. In Bildnerischem Gestalten hatte ich neben der Beantwortung der Prüfungsfragen zehn eigene Werke zu präsentieren sowie eine Zeichnung zu meinem Spezialgebiet, dem Expressionismus, anzufertigen. Diese Zeichnung habe ich, wenn ich mich richtig erinnere, sogar aufgehoben. In Chemie stand sogar ein Versuch auf dem Programm. Und Latein? Das habe ich eigentlich nie als Sprache betrachtet. Mich faszinierte vielmehr die Logik dahinter – das Entschlüsseln, Analysieren und Strukturieren.


Rückblickend erkenne ich darin vieles von dem wieder, was mich bis heute ausmacht: die Freude am kreativen Gestalten, gepaart mit einer großen Neugier für naturwissenschaftliche Fragestellungen.


Damals erschien mir die Matura als eine der größten Herausforderungen meines Lebens. Wochenlang wurde gelernt und gezittert. Heute muss ich darüber manchmal schmunzeln. Bereits wenige Monate später hatte ich im Rahmen meiner Ausbildung zur Biomedizinischen Analytikerin für so manche „kleinere“ Prüfungen deutlich mehr Stoff zu bewältigen als für einzelne Maturafächer.


Und trotzdem: Von Prüfungen im Studium träume ich heute praktisch nie. Von der Matura hingegen schon. Offenbar hinterlassen manche Erfahrungen tiefere Spuren als andere.

Vielleicht liegt das daran, dass die Matura weit mehr ist als eine Prüfung. Sie markiert einen Übergang. Zum ersten Mal steht man an einer Schwelle, hinter der vieles offen ist: Studium, Beruf, Reisen, Pläne, Träume. Plötzlich scheint die ganze Zukunft vor einem zu liegen.

Mit 18 glaubt man oft, die Matura würde den weiteren Lebensweg maßgeblich bestimmen. Mit etwas mehr Lebenserfahrung betrachtet man das differenzierter.

Natürlich eröffnet sie Möglichkeiten und Wege. Aber sie entscheidet nicht darüber, ob jemand später erfolgreich, glücklich, kreativ oder erfüllt sein wird. Das Leben fragt uns nach der Schulzeit andere Dinge ab: Neugier, Ausdauer, Lernbereitschaft, Mut, Kreativität, Anpassungsfähigkeit und manchmal auch die Fähigkeit, nach Rückschlägen wieder aufzustehen.


Wenn ich heute auf meine Matura zurückblicke, denke ich daher weniger an Noten oder Prüfungsfragen. Wobei ich zugeben muss, dass ich mich damals über die Auszeichnung mit lauter „Sehr Gut“ durchaus gefreut habe.

Viel wichtiger erscheint mir heute etwas anderes: Die Matura war ein erster Beweis dafür, dass sich Einsatz, Beharrlichkeit und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten auszahlen können.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Lektion, die auch 25 Jahre später noch Bestand hat.

Tag
11.06.2026
Woche
Wörter
Zeichen

Es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen.

 

Auch heute träume ich noch manchmal von der Matura.

Die Matura markiert einen Übergang.

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